{"id":7085,"date":"2012-02-20T07:38:00","date_gmt":"2012-02-20T07:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/odf-syria.org\/?p=7085"},"modified":"2025-09-25T10:09:07","modified_gmt":"2025-09-25T10:09:07","slug":"ribal-al-assad-calls-for-a-peaceful-transition-in-syria-in-interview-with-germanys-westdeutsche-zeitung-newspaper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/odf-syria.org\/ar\/ribal-al-assad-calls-for-a-peaceful-transition-in-syria-in-interview-with-germanys-westdeutsche-zeitung-newspaper\/","title":{"rendered":"Ribal Al-Assad calls for a peaceful transition in Syria in interview with Germany&#8217;s Westdeutsche Zeitung newspaper"},"content":{"rendered":"<p>London. Er ist Cousin des brutalen, syrischen Staatschefs Baschar al-Assad und gleichzeitig einer seiner kritischster Gegner: Der 36-j\u00e4hrige Ribal al-Assad k\u00e4mpft im britischen Exil f\u00fcr den friedlichen Wandel in seiner Heimat. \u00dcber die Perspektiven f\u00fcr das zerrissene Land und seine eigene Lebensgefahr sprach der kontroverse Spross der Herrscherfamilie im Interview. Darin w\u00fcnscht er sich, dass Deutschland bei der Gr\u00fcndung einer gesamt-syrischen Opposition vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00e4mpfe eskalieren, der internationale Druck w\u00e4chst. Wie sicher ist Pr\u00e4sident Baschar al-Assad noch in seinem Amt?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Sehr sicher, meine ich. Syrien hat mit Iran, dem Libanon und irakischen Milizen m\u00e4chtige Verb\u00fcndete. Au\u00dferdem ist die Regierung kein Ein-Personen-Regime. Es wird von vielen Menschen gest\u00fctzt, die aus Eigeninteresse jede Reform verhindern werden. Wandel w\u00fcrde bedeuten, dass sie f\u00fcr ihre Gr\u00e4ueltaten irgendwann belangt werden. W\u00fcrde Baschar echte Reformen auf den Weg bringen, w\u00fcrde er sein Leben aufs Spiel setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie glauben also nicht, dass die f\u00fcr den 26. Februar angek\u00fcndigte Volksabstimmung \u00fcber eine neue Verfassung die Lage beruhigt?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Nein, ich f\u00fcrchte, dass Syrien schon bald in einen B\u00fcrgerkrieg abrutscht, in dem jeder gegen jeden k\u00e4mpft. Schon jetzt ist das Misstrauen zwischen den vielen verschiedenen Minderheiten und Glaubensrichtungen im Land riesig. Eine \u00e4hnlich verfahrene Lage kennt man in Europa aus Sarajevo. Wenn die Spannungen ausbrechen, wird die gesamte Region destabilisiert. Das ist auch der Grund, warum es trotz der furchtbaren Massaker des Regimes bislang nur wenige \u00dcberl\u00e4ufer gibt: Die Menschen haben Angst, dass es nach einem Sturz von Baschar al-Assad noch schlimmer wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Opposition scheint allerdings genauso fragmentiert: Bei einem Treffen von Exilsyrern vergangenes Jahr in der T\u00fcrkei waren Sie nicht eingeladen &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Assad &#8230; und die kurdische Minderheit leider auch nicht. Indessen geben sich Fundamentalisten wie die &#8220;Muslimbr\u00fcder&#8221; als demokratische Opposition aus, was verheerend ist. Aber so lange Widerst\u00e4ndler nicht mit einer geeinten Stimme sprechen, fehlt uns die Kraft, Pr\u00e4sident Baschar al-Assad abzul\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was kann die internationale Staatengemeinschaft tun, um Syrien zu helfen?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Wir brauchen ein neutrales Land wie Deutschland oder Indien, das die zersplitterte Opposition mit ihren rund 1000 Leuten vereinen kann. Wenn wir uns bei einer Konferenz zusammensetzen, unserer Differenzen beiseitelegen und einen Plan zum Aufbau demokratischer Strukturen entwickeln, dann w\u00e4re das der gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Druck auf das Regime. Dann k\u00f6nnten wir unter internationaler Aufsicht den Dialog einfordern, den das Regime immer wieder vertagt. Deutschland wird in der arabischen Welt akzeptiert und genie\u00dft einen guten Ruf &#8211; es w\u00e4re ein guter Vermittler.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann nicht die T\u00fcrkei als Bindeglied zwischen Westen und Nahem Osten diese Rolle \u00fcbernehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Auf gar keinen Fall. Unter Besetzung der osmanischen Armee sind Tausende Syrier umgekommen; die T\u00fcrkei besetzt auch heute noch syrische Gebiete. Die t\u00fcrkische Regierung wird zudem immer Partei f\u00fcr Islamisten ergreifen. Wir brauchen aber eine Instanz, die es Syrien erm\u00f6glicht, sich religions\u00fcbergreifend als Nation zu definieren. Die jetzige Diktatur soll nicht von einer Theokratie, sondern einer Demokratie ersetzt werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte in Syrien tats\u00e4chlich ein Prozess der Demokratisierung beginnen, wollen Sie oder Ihr Vater Rifaat al-Assad dann den Wandel moderieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Wir wollen Teil des Wandels sein, aber ihn nicht f\u00fchren. Macht interessiert uns nicht. Mein Vater war vor seinem Weg ins Exil Vize-Pr\u00e4sident von Syrien. H\u00e4tte er regieren wollen, w\u00e4re er geblieben. Er hatte ja die Armee auf seiner Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Rolle sehen Sie dann f\u00fcr sich selbst in Syrien?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Die Opposition ist generell die beste Rolle. Und nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich einfach mal gern wieder meine Heimat besuchen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie selber sind bei anderen Regimegegnern extrem umstritten. Ihr Vater soll 1982 Aufst\u00e4nde in der Stadt Hama blutig niedergeschlagen haben. 30.000 Menschen starben. Trotzdem sprechen Sie f\u00fcr ihn &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Assad &#8230; weil er unschuldig ist. Zum Zeitpunkt des Massakers von Hama war mein Vater gar nicht vor Ort. Er war in Damaskus als Polizeichef f\u00fcr die Sicherheit des Pr\u00e4sidenten verantwortlich. Aber er war einer der ersten, der demokratische Reformen gefordert hat. Deshalb machte man ihn zum S\u00fcndenbock. Schon 1967 hat er eine Zeitschrift herausgegeben, in dem er Ideen f\u00fcr eine politische \u00d6ffnung des Nahen Ostens propagierte. Hier in London produzieren wir seit 15 Jahren ein Fernsehprogramm f\u00fcr Syrien, mit dem wir ein demokratisches Forum bieten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Finanziert das syrische Regime Ihr Leben im Exil, damit Sie nicht zur\u00fcckkehren?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Nein. Arabische Freunde haben uns am Anfang geholfen, mittlerweile verdiene ich mein eigenes Geld als Gesch\u00e4ftsmann. Das Regime zahlt uns nichts, im Gegenteil: Es hat unser Haus zerbombt, Grundst\u00fccke enteignet, unsere Kontaktpersonen werden drangsaliert. Wenn das Regime k\u00f6nnte, w\u00fcrde es uns ganz vernichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Nachname ist trotzdem eine schwere Hypothek. Das Regime, also Ihre eigene Familie, verbannt Sie, aber auch Regimekritiker hassen Sie. Im britischen Unterhaus, in dem Sie 2011 sprechen sollten, gab es um Ihren Auftritt wegen der Vergangenheit Ihres Vaters unappetitlichen Streit. Wie schwer ist das Leben zwischen den Fronten?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Ich wei\u00df ja, dass die Vorw\u00fcrfe gegen meinen Vater unwahr sind. Es schmerzt mich also nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bedeutet ein Alltag im Exil?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Ich habe Syrien als Neunj\u00e4hriger verlassen; f\u00fcr Kindheit gab es keine Zeit. Wir sind ja immer umgezogen: Von Frankreich nach Spanien in die USA nach China und dann nach London. In die Schule haben uns Leibw\u00e4chter eskortiert. Unser Quartier lag hinter Mauern und Sands\u00e4cken, weil jemand versucht hatte, einen LKW in unser Haus zu rammen. Es ist extrem frustrierend zu sehen, dass die demokratische Leichtigkeit, die ich in London erfahre, nicht in Syrien umgesetzt werden kann. Einfach mal einen Sandwich-Laden aufmachen? Das ist doch wirklich nicht schwer, aber in Syrien unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Bekommen Sie Morddrohungen?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad Es gab einige auf meiner Facebook-Seite. Aber ich lebe nur einmal, und das eine Leben will ich nicht in Angst verbringen. Ich will mein Bestes geben f\u00fcr eine Sache, an die ich wirklich glaube. Alles andere entscheidet das Schicksal.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Related Links<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.wz-newsline.de\/home\/politik\/interview-mit-assad-cousin-deutschland-koennte-vermitteln-1.911446\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">WZ interview<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>London. Er ist Cousin des brutalen, syrischen Staatschefs Baschar al-Assad und gleichzeitig einer seiner kritischster Gegner: Der 36-j\u00e4hrige Ribal al-Assad k\u00e4mpft im britischen Exil f\u00fcr den friedlichen Wandel in seiner Heimat. \u00dcber die Perspektiven f\u00fcr das zerrissene Land und seine eigene Lebensgefahr sprach der kontroverse Spross der Herrscherfamilie im Interview. 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