{"id":7315,"date":"2011-04-27T11:47:00","date_gmt":"2011-04-27T11:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/odf-syria.org\/?p=7315"},"modified":"2025-09-25T10:13:23","modified_gmt":"2025-09-25T10:13:23","slug":"ribal-al-assad-interviewed-by-german-newspaper-vorwarts-the-last-chance-to-introduce-democracy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/ribal-al-assad-interviewed-by-german-newspaper-vorwarts-the-last-chance-to-introduce-democracy\/","title":{"rendered":"Ribal Al-Assad im Interview mit der deutschen Zeitung Vorw\u00e4rts: \u2018Die letzte Chance, die Demokratie einzuf\u00fchren\u2019"},"content":{"rendered":"<p>\u201cThe last chance to introduce democracy\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>von Ramon Schack \u2013 27.04.2011<\/p>\n\n\n\n<p>Der syrische Pr\u00e4sident Baschar al Assad geht brutal gegen die Protestbewegung in seinem Land vor. Sein Cousin, der im Exil lebende Ribal al Assad, erkl\u00e4rt, dass er alle friedfertigen Demonstrationen unterst\u00fctze. Er r\u00e4t seinem Cousin, sich f\u00fcr demokratische Reformen zu engagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>vorw\u00e4rts.de: Syrien wird von blutigen Unruhen ersch\u00fcttert, zahlreiche Menschen kamen bisher ums Leben. Denken Sie, die Situation wird sich so lange verschlimmern, bis der amtierende Pr\u00e4sident zur\u00fcckgetreten ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Ribal al Assad: Ich hoffe, die Situation wird sich nicht weiter verschlechtern. Pers\u00f6nlich unterst\u00fctze ich alle friedfertigen Demonstrationen gegen das Regime. Das syrische Volk hat ein Recht darauf gewaltfrei zu protestieren, um so den Wunsch nach politischen und \u00f6konomischen Ver\u00e4nderungen zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Vater war einst an der blutigen Unterdr\u00fcckung von Protesten in Syrien beteiligt. Halten Sie einen gewaltfreien Wandel in Damaskus \u00fcberhaupt f\u00fcr realistisch?<\/p>\n\n\n\n<p>Jegliches Blutvergie\u00dfen ist zu bedauern. Mein Vater war damals Bestandteil eines totalit\u00e4ren Regimes, mit dem er sp\u00e4ter gebrochen hat. Ich fordere die dortigen Sicherheitskr\u00e4fte zur \u00e4u\u00dfersten Zur\u00fcckhaltung auf. Die Syrer, wie auch die Menschen in Tunesien, oder \u00c4gypten, fordern nicht mehr als ein Ende der Diktatur.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Macht in Syrien liegt in den H\u00e4nden der Baath-Partei, dominiert von der religi\u00f6sen Minderheit der Alawiten, der sie selbst angeh\u00f6ren. Sind Sie nicht der Meinung, dass die aktuellen Unruhen die fragile ethnische und religi\u00f6se Balance in Syrien gef\u00e4hrden?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pr\u00e4sident sprach in den vergangenen 11 Jahren, seit seinem Amtsantritt, permanent von Reformen, ohne irgendwelche Ver\u00e4nderungen eingeleitet zu haben. So kann er nicht weitermachen. Er hat jetzt zum letzten Mal die Chance, die Demokratie einzuf\u00fchren und so Geschichte zu schreiben. Syrien ist ein wunderbares Mosaik von verschiedenen religi\u00f6sen und ethnischen Minderheiten. Es w\u00e4re eine Katastrophe, wenn Syrien aufgrund dessen in B\u00fcrgerkrieg versinken w\u00fcrde. Ich bin aber davon \u00fcberzeugt, das syrische Volk ist weise genug, es nicht so weit kommen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie waren 1999 zum letzten Mal in Syrien. Ihre Familie geh\u00f6rte nicht nur zum politischen Establishment der regierenden Baath-Partei, sondern auch zur gesellschaftlichen Oberschicht Syriens. Sind Sie eigentlich sicher, dass Ihre heutigen Forderungen nach Demokratie und Freiheit die W\u00fcnsche des syrischen Volkes widerspiegeln?<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Familie stammt von kleinen Bauern ab. Mitglied der Elite zu sein, hindert nicht daran, sich f\u00fcr Demokratie und Freiheit einzusetzen. Ich stehe im permanenten Kontakt mit zehntausenden von Syrern, reflektiere also auch deren W\u00fcnsche und politischen Vorstellungen. Wie alle meine Verwandten, habe auch ich unter der politischen Ausschaltung meiner Familie gelitten. Seit ich 9 Jahre alt bin, als mein Vater 1984 das Land verlassen musste, lebe ich im Exil. Von 1997-1999 war ich noch einmal in Syrien, um den dortigen Wohlt\u00e4tigkeitsverein meiner Familie zu leiten. Als ich 1999 meine Familie im Ausland besuchte, bombardierte das Regime unser Anwesen in Latakia.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde ihm vorschlagen, dass er sofort aufh\u00f6ren muss, das eigene Volk mit Gewalt zu bek\u00e4mpfen. Er m\u00fcsste dann eine allgemeine Amnestie f\u00fcr alle politischen Gefangenen erlassen und Dialoge mit Oppositionellen f\u00fchren, um eine \u00dcbergangsregierung zu bilden. Au\u00dferdem sollte er f\u00fcr freie und faire Wahlen sorgen, die von internationalen Beobachtern \u00fcberwacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde ihm raten, einen tiefgehenden Dialog mit dem Volk zu beginnen, inklusive aller politischen Akteure, um zu diskutieren, wie es weitergehen kann und eine Regierung der \u201cNationalen Einheit\u201d zu formen. Er muss Artikel 8 der Syrischen Verfassung streichen, welcher die f\u00fchrende Rolle der Baath-Partei festschreibt. Ferner muss er eine neue Verfassung ausarbeiten lassen, welche Gewaltenteilung garantiert, den Schutz der B\u00fcrger und Minderheiten, unabh\u00e4ngig von Ethnizit\u00e4t, Religionszugeh\u00f6rigkeit oder Geschlecht. Dar\u00fcber hinaus sind alle politischen Gefangenen zu entlassen. Politische Parteien, die sich f\u00fcr demokratische Reformen engagieren, sind zuzulassen. Au\u00dferdem ist die Korruption zu bek\u00e4mpfen, flankiert von \u00f6konomischen Reformen. Damit muss er sofort beginnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Die letzte Chance, die Demokratie einzuf\u00fchren&#8221; von Ramon Schack &#8211; 27.04.2011 Der syrische Pr\u00e4sident Baschar al Assad geht brutal gegen die Protestbewegung in seinem Land vor. Sein Cousin, der im Exil lebende Ribal al Assad, erkl\u00e4rt, dass er alle friedfertigen Demonstrationen unterst\u00fctze. Er r\u00e4t seinem Cousin, sich f\u00fcr demokratische Reformen zu engagieren. vorw\u00e4rts.de: Syrien wird [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":4831,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"class_list":["post-7315","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7315","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7315"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7315\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7319,"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7315\/revisions\/7319"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4831"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7315"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7315"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/odf-syria.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7315"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}