{"id":7067,"date":"2012-05-05T07:27:00","date_gmt":"2012-05-05T07:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/odf-syria.org\/?p=7067"},"modified":"2025-09-25T10:02:16","modified_gmt":"2025-09-25T10:02:16","slug":"ribal-al-assad-calls-for-a-peaceful-inclusive-democratic-transition-in-syria-in-interview-with-zeit-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/odf-syria.org\/el\/ribal-al-assad-calls-for-a-peaceful-inclusive-democratic-transition-in-syria-in-interview-with-zeit-online\/","title":{"rendered":"Ribal Al-Assad calls for a peaceful inclusive democratic transition in Syria in interview with Zeit Online"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Baschars Abgang w\u00fcrde nichts \u00e4ndern&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Ribal al-Assad beschreibt seinen Cousin, Syriens Pr\u00e4sidenten Baschar al-Assad, im Interview als \u00e4ngstlichen Herrscher ohne Macht. Dem Westen wirft er Heuchelei vor.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Herr al-Assad, die Proteste gegen Ihren Cousin, den syrischen Herrscher Baschar al-Assad, haben bislang mehr als 11.000 Menschen das Leben gekostet. Warum akzeptiert Ihr Verwandter dieses Sterben?<\/p>\n\n\n\n<p>Ribal al-Assad: Ich denke nicht, dass er die Kontrolle dar\u00fcber hat. Man muss verstehen, dass Baschar nur an die Macht kam, weil sein Bruder 1994 bei einem Autounfall starb. Bis zum Jahr 2000, als er Pr\u00e4sident wurde, hatte er nicht die Zeit, sich eine Machtbasis aufzubauen. All die Leute, die ihn an die Macht gebracht haben, sind seinem Vater oder seinem verstorbenen Bruder verbunden. Dazu kommt, dass er keine milit\u00e4rische Erfahrung hat. Er war ein Niemand im Milit\u00e4r, er hatte keinen Rang, wurde dann aber innerhalb von sechs Jahren zum Oberbefehlshaber.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Das Milit\u00e4r akzeptiert ihn nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Nein, die lachen \u00fcber ihn, er genie\u00dft keinen Respekt. Der einzige Grund, warum er da oben ist, lautet: Er ist schwach genug, um die Interessen der Leute um ihn herum zu wahren. Sein Vater hatte ein System etabliert, das ausschlie\u00dflich auf Rivalit\u00e4ten aufgebaut ist. Bislang hat Baschar nichts geleistet, weil er es gar nicht kann. Man sieht ja an diesen l\u00e4cherlichen E-Mails, die er geschrieben hat, dass er gar nicht regiert. Aber der Westen, der von Syrien so wenig wei\u00df, war begeistert. Man rief, Baschar sei ein Reformer und er habe in London studiert. Madeleine Albright, Tony Blair reisten zu ihm, Jacques Chirac empfing ihn sogar schon, bevor er Pr\u00e4sident war. Ich bitte Sie! Baschar hat blo\u00df ein Jahr lang in England studiert, das macht einen noch nicht zu einem Kind des Westens.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Sie leben seit Ihrem neunten Lebensjahr im Westen. Sie m\u00fcssen es wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Genau. Dann gibt es Menschen wie diejenigen der Muslimbruderschaft, die seit 30 Jahren im Westen leben und sich immer noch einen Dreck um demokratische Werte scheren.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Verstehe ich Sie richtig? W\u00fcrde Baschar abtreten, an der schrecklichen Situation w\u00fcrde sich gar nichts \u00e4ndern?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: So ist es, sein Abgang w\u00fcrde nichts \u00e4ndern. Dazu kommt, dass er gar nicht den Mut hat, abzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Warum?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Weil man ihn sofort ermorden w\u00fcrde. Er hat sich ja in den letzten Monaten seinem Volk nie wirklich gezeigt. Er hat Angst. Zu Recht. Konstitutionell ist er verantwortlich f\u00fcr die schlimmen Dinge, die passiert sind und immer noch passieren.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Wer ist denn der starke Mann?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Es gibt keinen einzelnen. Das System der Rivalit\u00e4t war urspr\u00fcnglich dazu da, den Pr\u00e4sidenten zu sch\u00fctzen \u2013 indem sich die Gruppen um ihn bek\u00e4mpfen und so gegenseitig lahmlegen. Dumm nur, wenn der Pr\u00e4sident so schwach ist, dass er aus dieser Situation keinen Gewinn f\u00fcrs Land schlagen kann. Er wollte ja den &#8220;Fr\u00fchling von Damaskus&#8221;, man hat es ihm ausgeredet.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Was kann getan werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Es gibt eine gro\u00dfe Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie. Aber das syrische Regime konnte den vielen Minderheiten, aus denen Syrien besteht, glaubhaft machen, dass die eine Minderheit gegen die andere Minderheit agiert. Die Luft ist immer voller Verschw\u00f6rungstheorien. Und die internationale Gemeinschaft hat das nicht begriffen. Aber was ist die Alternative zu diesem schlechten Regime? Sind es die Islamisten? Sicher nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Das Problem der Opposition in Syrien ist ja auch ihre Uneinigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Genau. Die Opposition, die international wahrgenommen wurde, ist der SNC, der Syrische Nationalrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Weil er es ist. Der SNC wurde in der T\u00fcrkei gro\u00df, einem Land, in dem eine islamische Partei regiert. Diese Opposition schlie\u00dft aber andere aus, zum Beispiel die Kurden, die 20 Prozent der Bev\u00f6lkerung ausmachen. 80 Prozent des SNC bestehen aus Mitgliedern der Muslimbruderschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Nochmals: Was w\u00e4re eine L\u00f6sung?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Die internationale Gemeinschaft m\u00fcsste die Wahrheit sagen. Wenn Hillary Clinton bei einer Veranstaltung der Friends of Syria sagt, sie wolle einen friedlichen, demokratischen, alle einschlie\u00dfenden \u00dcbergang in Syrien, dann sage ich: na toll! Zu diesem Treffen war nur der SNC eingeladen, alle anderen Oppositionskr\u00e4fte nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Was also w\u00e4re eine L\u00f6sung?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Die internationale Gemeinschaft m\u00fcsste die Opposition zusammenbringen, die gesamte Opposition, zum Beispiel bei einer Konferenz in Deutschland, welches bei uns als neutrales Land ein hohes Ansehen genie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Glauben Sie, es g\u00e4be ein wirkliches Interesse an so etwas?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Ich glaube nicht. Sonst w\u00e4re es doch schon lange passiert. Ich denke, man hat diese Aufgabe an die T\u00fcrkei, Saudi-Arabien und Katar delegiert. Aber diese L\u00e4nder haben doch gar kein wirkliches Interesse an einer Demokratie in Syrien. Sonst w\u00fcrden diese L\u00e4nder, vor allem Saudi-Arabien und Katar, nicht mit viel Geld die Islamisten in den Nachbarl\u00e4ndern unterst\u00fctzen. Und diese drei L\u00e4nder haben keinen guten Ruf in Syrien, vor allem nicht die T\u00fcrkei, mit ihrer ottomanischen Vergangenheit. Der Westen sollte also endlich die F\u00fchrung \u00fcbernehmen und seine heuchlerische Politik beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Ihr Vater, Rifaat al-Assad, ehemaliger Verteidigungsminister und Vizepr\u00e4sident, soll f\u00fcr eines der schlimmsten Massaker in Syrien verantwortlich sein, 1982 in Hama, wo 20.000 Menschen starben. Ich wei\u00df, dass Sie bestreiten, dass er \u00fcberhaupt da gewesen sei. Ich m\u00f6chte das hier nicht diskutieren, auch wenn die Quellenlage ziemlich eindeutig ist. Aber bereuen Sie manchmal, dass Sie al-Assad hei\u00dfen?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Nein, ich bin stolz auf meinen Namen und auf die Geschichte meines Vaters. Er war der erste, der Demokratie in Syrien wollte. Er wollte wirkliche Reformen. Er gab den Frauen mehr Rechte, er gr\u00fcndete Universit\u00e4ten. Aber er musste gehen, er wollte dieses blutr\u00fcnstige Treiben nicht mitmachen. Und was ist an Reformen passiert, seitdem mein Vater Syrien verlassen hat? Nichts. Ich habe nie einen aufrichtigeren Menschen kennengelernt als meinen Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>ZEIT ONLINE: Sind Sie auch so aufrichtig?<\/p>\n\n\n\n<p>Al-Assad: Nat\u00fcrlich, ich wurde ja von meinem Vater so erzogen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Related Links<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2012-05\/ribal-assad-syrien\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zeit Online interview<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Baschars Abgang w\u00fcrde nichts \u00e4ndern&#8221; Ribal al-Assad beschreibt seinen Cousin, Syriens Pr\u00e4sidenten Baschar al-Assad, im Interview als \u00e4ngstlichen Herrscher ohne Macht. Dem Westen wirft er Heuchelei vor. ZEIT ONLINE: Herr al-Assad, die Proteste gegen Ihren Cousin, den syrischen Herrscher Baschar al-Assad, haben bislang mehr als 11.000 Menschen das Leben gekostet. 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