{"id":6228,"date":"2015-11-13T15:36:00","date_gmt":"2015-11-13T15:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/odf-syria.org\/?p=6228"},"modified":"2025-09-25T09:55:31","modified_gmt":"2025-09-25T09:55:31","slug":"interview-with-general-anzeiger-news-ribal-al-assad-speaks-about-the-syrian-crisis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/odf-syria.org\/it\/interview-with-general-anzeiger-news-ribal-al-assad-speaks-about-the-syrian-crisis\/","title":{"rendered":"Interview with General Anzeiger News: Ribal Al-Assad Speaks about the Syrian Crisis"},"content":{"rendered":"<p>ODFS Director Ribal Al-Assad recently spoke with the General Anzeiger newspaper on the Syrian civil war and the refugee crisis. The original German version is below; an English translation will appear shortly.<\/p>\n\n\n\n<p>BONN. Zwei Wochen nach den internationalen Syrien-Gespr\u00e4chen in Wien treffen morgen die Au\u00dfenminister mehrerer L\u00e4nder erneut zu Beratungen \u00fcber eine Beilegung des Konfliktes zusammen. Ohne eine neue Strategie, sagt Ribal al-Assad, sei auch diese Konferenz zum Scheitern verurteilt. Der Cousin des syrischen Herrschers engagiert sich im Londoner Exil f\u00fcr den Frieden. Jasmin Fischer sprach mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Ist das heutige Treffen der Au\u00dfenminister der Schl\u00fcssel zum Frieden in Syrien?<\/p>\n\n\n\n<p>Ribal al-Assad: Die Gespr\u00e4che sind ein guter Start, aber ich habe trotzdem kaum Hoffnung. Saudi-Arabien m\u00f6chte den syrischen Herrscher Baschar al-Assad loswerden, Russland st\u00fctzt ihn. Andere Au\u00dfenminister wollen ebenfalls nicht mit Assad verhandeln<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Vor zwei Wochen sa\u00dfen in Wien Vertreter von 17 L\u00e4ndern zusammen, um eine L\u00f6sung zu finden &#8211; nur aus Syrien, dem Land, um dessen Zukunft es geht, war niemand eingeladen. Wie sehen Sie das?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad: Ich frage zur\u00fcck: Wen wollen Sie aus Syrien einladen? Sie k\u00f6nnen entweder Vertreter des Regimes, einer Diktatur, an den Tisch bitten oder die jetzige Opposition, die aber das syrische Volk nicht repr\u00e4sentieren kann, weil sie nicht demokratisch gew\u00e4hlt worden ist. Es ist peinlich f\u00fcr Syrien, dass es keine tragf\u00e4higen Alternativen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Wie k\u00f6nnte eine solche Alternative aussehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad: Es gibt in Syrien Tausende junge, gebildete Menschen, die den Islamismus verabscheuen und sich in einem demokratischen Prozess engagieren w\u00fcrden. Vorbedingung: Sie m\u00fcssen sich klar zur Gleichberechtigung aller Religionen, Ethnien und der Geschlechter bekennen. Wir brauchen eine Konferenz mit Vertretern dieser Gruppen. Sie m\u00fcssen in Parteien organisiert und gest\u00e4rkt werden, weil sie Keimzelle eines positiven Wandels sind. Solange das nicht passiert, stehen die Menschen in Syrien vor nur zwei Alternativen: der Diktatur oder dem vorr\u00fcckenden Islamismus. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn Deutschland als neutrale Instanz diese Konferenz ausrichten w\u00fcrde &#8211; die Syrer vertrauen und bewundern Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Was halten Sie von denjenigen Stimmen, die sagen: Es kann ohne Baschar al-Assad, der zwar viel Leid angerichtet hat, keine L\u00f6sung geben?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad: Ich verstehe diese Sichtweise. Wenn Baschar al-Assad mit seinem Regime f\u00e4llt, f\u00fcllen islamistische Gruppen das Machtvakuum sofort aus. Das w\u00e4re die n\u00e4chste Katastrophe &#8211; und eine halbe Million Menschen sind ja bereits gestorben, Millionen begeben sich auf die Flucht. Wenn die Lage nicht noch weiter eskalieren soll, f\u00fcrchte ich, muss man Baschar al-Assad f\u00fcr eine \u00dcbergangszeit tolerieren. Danach sollen die Syrer in freien Wahlen \u00fcber ihn entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Wie hilfreich ist die russische Intervention in Syrien? Und was halten Sie von Gedankenspielereien in den USA, in Syrien so einzumarschieren wie in den Irak?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad: Wladimir Putin sch\u00fctzt mit seinem Engagement das Regime, aber er sch\u00fctzt auch sich selbst vor islamistischen Gruppen &#8211; und er hat Interesse am Zugang Syriens zum Mittelmeer. Er hilft also sicher nicht umsonst. Viele profitieren von seinem Eingriff. Denn solange er aus der Luft angreifen l\u00e4sst und sich zu Lande auf die syrische Armee st\u00fctzt, muss kein anderes Land mit Bodentruppen einmarschieren. Die USA haben jedenfalls kein Interesse, erneut in einen langen Krieg hineingezogen zu werden. Ich halte die Intervention Russlands allerdings nicht f\u00fcr hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Die Bundesrepublik Deutschland nimmt sehr viele syrische Fl\u00fcchtlinge auf. Freut Sie das?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad: Ich sehe, dass sich viele Deutsche in die entsetzliche Not dieser Fl\u00fcchtlinge einf\u00fchlen und ihre desolate Lage respektieren. Das ist gut. Aber es ist auch teuer. Und es w\u00e4re viel, viel g\u00fcnstiger und effektiver gewesen, schon die Fl\u00fcchtlingslager im Libanon, in Jordanien oder in der T\u00fcrkei finanziell so zu unterst\u00fctzen, wie es die Staatengemeinschaft versprochen hat. Die Syrer dort leiden Hunger und K\u00e4lte, weil der UN die Ressourcen zur Versorgung fehlen. Nur deshalb machen sich ja erst jetzt, f\u00fcnf Jahre nach Kriegsbeginn, Tausende Syrer auf den lebensgef\u00e4hrlichen Weg nach Deutschland. Ihre Heimat liegt mittlerweile in Schutt und Asche &#8211; sie k\u00f6nnen vorerst nicht zur\u00fcck, haben aber auch kein Auskommen in den Auffanglagern der Region. Dass der Westen diese Menschen nun aufnimmt, aufnehmen muss, ist auch Folge seines Versagens.<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Warum nehmen Syriens Verb\u00fcndete im arabischen Raum die Fl\u00fcchtlinge nicht auf?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad: Das ist genau der Punkt. Arabische L\u00e4nder geben Milliarden aus, um islamistische K\u00e4mpfer zu bewaffnen, unterst\u00fctzen syrische Fl\u00fcchtlinge aber kaum. Daran l\u00e4sst sich ablesen, worum es den Verb\u00fcndeten Syriens wirklich geht.<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Was ist Ihre Botschaft an die Deutschen? Was ist Ihre Botschaft an die in Deutschland angekommenen Syrer?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad: Es ist bekannt, dass sich syrische P\u00e4sse kaufen lassen, um damit nach Deutschland zu reisen und Asylstatus zu bekommen. Ich rate den Deutschen also dringend zu gewissenhaften Hintergrundchecks, um zu verhindern, dass islamistische Schl\u00e4ferzellen, getarnt als Fl\u00fcchtlinge, ins Land gelangen. F\u00fcr diese \u00dcberpr\u00fcfung wird man wohl oder \u00fcbel auf Informationen des syrischen Geheimdienstes zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen. Den Syrern in Deutschland m\u00f6chte ich sagen: Ihr habt die Chance auf ein besseres Leben in einer Demokratie, die euch willkommen hei\u00dft. Werdet Teil dieses Landes, passt euch an, akzeptiert seine Kultur, lernt Deutsch und bleibt dem Extremismus fern. Helft der Regierung, Extremisten zu finden. Nur eine schlimme Tat eines einzigen Menschen mit syrischen Pass reicht, um Hass zu provozieren.<\/p>\n\n\n\n<p>GA: Mit welchen Gedanken blicken Sie, der Spross und der gleichzeitige Gegner des syrischen Herrscherclans, auf die Entwicklung Ihrer alten Heimat?<\/p>\n\n\n\n<p>Assad: Ich habe keinen Grund f\u00fcr Optimismus, aber ich muss optimistisch sein. Wenn wir jetzt die Hoffnung aufgeben, ist alles verloren. Irgendwann werden die internationalen Verhandlungspartner verstehen, dass sie die falsche Strategie fahren; dass sie erst Parteien, eine demokratisch orientierte Opposition, Wahlprogramme und Wahlen organisieren m\u00fcssen, bevor es in Syrien vorw\u00e4rtsgeht. Die Zeit dr\u00e4ngt: Wir m\u00fcssen alle verstehen, dass wir alle den gleichen Feind haben &#8211; n\u00e4mlich den islamischen Extremismus.<\/p>\n\n\n\n<p>GA-Interview mit Ribal al-Assad: &#8220;Man muss Assad eine Zeit lang tolerieren&#8221; | GA-Bonn &#8211; Lesen Sie mehr auf:<\/p>\n\n\n\n<p>http:\/\/www.general-anzeiger-bonn.de\/news\/interviews\/man-muss-assad-eine-zeit-lang-tolerieren-article1765943.html#plx1433234532<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ODFS Director Ribal Al-Assad recently spoke with the General Anzeiger newspaper on the Syrian civil war and the refugee crisis. 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